Zuger Gymnasien boomen wie noch nie

Die Übertrittsquoten der Bildungsdirektion zeigen ein klares Bild: Trotz Bemühungen die Sekundarschule zu stärken, steigt die Anzahl Übertritte in die Kantonsschulen an. Das erhöht auch die Notwendigkeit eines neuen Schulstandorts.

Immer mehr Schüler und analog dazu auch immer mehr Gymnasiasten: Die kürzlich publizierten Zahlen zu den diesjährigen Übertrittsverfahren zeigen auf, dass die Kanti so beliebt ist wie noch nie. 21,9 Prozent aller Schüler am Ende der Primarstufe (Übertritt I) wurden auf das kommende Schuljahr dem Langzeitgymnasium zugewiesen. Das ist laut Kanton die bisher höchste Zuweisungsquote ins Langzeitgymnasium. Und auch im Übertrittsverfahren II – also bei den Übertritten von der 2./3. Klasse der Sekundarschule in die kantonalen Mittelschulen – erreicht das Gymnasium Rekordwerte. Mehr als die Hälfte der 129 von den gemeindlichen Schulen zugewiesenen Schüler (rund 56 Prozent), die keine Berufslehre absolvieren, haben sich für das kommende Schuljahr am Kurzzeitgymnasium angemeldet. Da die Prognosen für die Schülerzahlen die Notwendigkeit eines neuen Kanti-Standorts untermauern, will die Regierung zügig eine Lösung finden, siehe dazu folgender Artikel:

Ein vertiefter Blick in die Statistik zeigt, dass sich die Kantonsschulen (Standorte Zug und Menzingen) seit mehr als zehn Jahren grosser Beliebtheit erfreuen. Bereits im vergangenen Jahr wurden über 21 Prozent der Schüler im Übertritt I dem Langzeitgymnasium zugewiesen, in den letzten sechs Jahren sank der Wert einzig 2017 und 2014 unter 20 Prozent.

Bildungsdirektor Stephan Schleiss will dennoch nicht von einem Zuger Gymiboom sprechen, er sehe jedoch einen ungebrochenen Trend Richtung Kantonsschule. «Andere Kantone wie etwa Basel Stadt haben Zuweisungsquoten ins Gymnasium von bis zu 40 Prozent. Davon sind wir in Zug noch weit entfernt.» Dennoch brauche es Massnahmen – denn unter der Beliebtheit der Kanti leiden andere Schulstufen. Durch die steigende Übertrittsquote ins Langzeitgymnasium fehlen auf der Werk- und Sekundarstufe Schüler. Während von den 1394 Schülern im Übertrittsverfahren I knapp zwei Prozent mehr als im vergangenen Jahr der Realschule zugewiesen wurden (insgesamt 21,2 Prozent), sanken die Zuweisungsquoten in die Werk- und Sekundarschule markant. Der 2015 und 2016 erreichte Wert von je rund 2 Prozent Zuweisungen an die Werkschule wird in diesem Jahr mit 0,9 Prozent zum zweiten Mal deutlich unterschritten.

So wenige Schüler an die Sek geschickt wie noch nie
Den mit 36,2 Prozent tiefsten jemals gemessenen Wert weist die Zuweisungsquote in die Sek auf (-2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr). «Dieser tiefe Wert zeigt, dass die bisherigen Massnahmen nicht in gewünschtem Masse Wirkung entfaltet haben», bedauert der Bildungsdirektor. Seit zehn Jahren bemühe man sich, die Sekundarschule zu stärken und die Schülerströme in die Sek und das Kurzzeitgymnasium zu verlagern. Man habe das Angebot des Kurzzeitgymnasiums Menzingen sowie die Sek mittels Projekt Sek I plus attraktiver gemacht und die Bevölkerung gezielter informiert. «Dennoch greifen die Massnahmen zu wenig. Wir möchten eine Übertrittsquote ins Langzeitgymnasium von knapp unter 20 Prozent erreichen», erklärt Schleiss. Man wolle nicht zuschauen, wie der Druck auf die Kanti weiter zunimmt und andere Bildungswege verwässert. In Ländern, in denen viele Jugendliche aufs Gymnasium gehen, sei die Jugendarbeitslosigkeit höher und die Qualität der gymnasialen Abschlüsse tiefer, so Schleiss. Die Sek solle der Regelweg für die meisten Schüler bleiben, das Gymnasium den leistungsstärksten Schülern vorbehalten sein. Das Übertrittsverfahren werde nun überprüft.

Einführung der Übertrittsprüfung soll geprüft werden
Konkrete Massnahmen liegen beim Kanton noch nicht auf dem Tisch, Stephan Schleiss führt allerdings auf Nachfrage einige Optionen ins Feld. Bisher werden Schüler anhand ihrer Leistungen in der 5./6. Primar – ausschlaggebend ist ein Orientierungswert der Note 5,2 in Deutsch, Mathematik und Mensch & Umwelt – von den gemeindlichen Schulen der Kanti zugewiesen. Eine Möglichkeit wäre laut Schleiss eine Verschärfung der Promotionsregeln am Langzeitgymnasium, etwa durch ein Bewährungssemester in der 1. Kanti, wie es Zürich kennt. Ebenfalls denkbar wäre eine kantonale Übertrittsprüfung, wie sie Graubünden hat. Eine solche gab es in Zug einmal, sie wurde in den 1990er-Jahren abgeschafft. «Unser bisheriges Zuweisungsverfahren durch die gemeindlichen Schulen hat sich bewährt. Gemeindliche Zuweisungen sind aber weniger vergleichbar als die Werte eines kantonalen Aufnahmeverfahrens», führt Schleiss aus, man werde verschiedene Optionen prüfen. Alle Zentralschweizer Kantone regeln den Kanti-Eintritt ähnlich wie Zug via Zuweisung.

Die seit über zehn Jahren steigende Übertrittsquote ins Langzeitgymnasium hat weniger damit zu tun, dass die Schüler schlauer werden. Vielmehr mit dem zunehmenden gesellschaftlichen Druck, so Schleiss. «Eine Akademikerfamilie möchte, dass ihre Kinder ans Gymi gehen, ungeachtet davon, wie leistungsstark ein Kind ist. Die Zuger Bevölkerung ist sehr bildungsnah.»