Von Alternativlosigkeit und Alternativen

Ich nehme nicht zum ersten Mal an einer Veranstaltung des Vereins Zuger Übersetzer teil. Aber zum ersten Mal an einer Mitgliederversammlung. Weil heute eine besondere Mitgliederversammlung ist. «Besonders» deshalb, weil heute der langgediente Präsident — weiter im Norden des deutschen Sprachraums würde man schon von «ewig» oder «alternativlos» sprechen — und Vater des Übersetzerstipendiums, Jürg Scheuzger, aus dieser Funktion verabschiedet wird.

Jürg Scheuzger war an der Kantonsschule in Zug nicht nur mein Deutsch- sondern auch mein Klassenlehrer. Ich weiss, dass ihm Superlative oder überschwengliche Adjektive nicht behagen. Trotzdem — oder gerade deswegen! — muss ich sie in dieser Kurz-Ansprache aussprechen. Lieber Jürg, da musst Du jetzt einfach durch… zumal Du ja für die Nachfolge des Präsidenten durchaus eine(n) Alternative(n) gefunden hast.

Literatur ist — wie jedes kulturelle Schaffen — Ausdruck derjenigen, die sich mit ihr beschäftigen. Und wie jedes kulturelle Schaffen will Literatur Bezug nehmen zur Umwelt. Sie sucht Austausch und Debatte. Die Zuger Regierung freut sich, dass der Verein Zuger Übersetzer dazu beiträgt, Austausch und Debatten sowie das Interesse an Anderem und Neuem zu fördern. So stärkt ihr Verein nebst vielem anderen auch das interkulturelle Verständnis in unserer Gesellschaft.

Seit 1996 wurde insgesamt 11 Preisträgerinnen und Preisträgern der höchstdotierte Übersetzerpreis im deutschsprachigen Raum vergeben. Dies nur dank der Vision und Hartnäckigkeit des nun abtretenden Präsidenten und Gründers der Dialogwerkstatt Zug, Jürg Scheuzger. Seine Weitsicht und seine tiefste Anerkennung für die bedeutsame Funktion einer Übersetzerin, eines Übersetzers, trieben ihn an.

Die Vermittlung zwischen unterschiedlichen Kulturen, das Sichtbarmachen von ungewöhnlichen Lebenswelten und von unbekannten Schicksalen, das Hinführen an andere politische und soziale Verhältnisse sind grosse Qualitäten des Zuger Übersetzerstipendiums.

Dir, lieber Jürg, danke ich im Namen des gesamten Zuger Regierungsrats ganz herzlich für Deinen kontinuierlichen Einsatz rund um die Literatur, für Deinen Beitrag an diesen wichtigen Preis mit Ausstrahlung in den ganzen deutschen Sprachraum.

Das Gelingen und Wirken der Kunst ist immer zentral mit dem Engagement gewisser Menschen verknüpft. Und Du spielst genau da, im Bereich der Literatur eine ungemein wichtige Rolle. Ich danke Dir für Deinen Enthusiasmus und Dein langjähriges Wirken.