Vom Erhalt des audiovisuellen Kulturguts in der Schweiz

Grusswort an der GV des Vereins Memoriav im Kino Seehof in Zug

Sehr geehrte Frau Präsidentin
Sehr geehrte Frau Direktorin
Sehr geehrte Mitglieder des Vereins Memoriav

«Memoriav setzt sich aktiv und nachhaltig für die Erhaltung, die Valorisierung und die breite Nutzung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz ein.» So lautet die Mission des Vereins Memoriav – und selbstverständlich gehe ich davon aus, dass Sie alle diese Mission kennen und von ihr auch beseelt sind.

Sich aktiv und nachhaltig des audiovisuellen Kulturguts eines kleinen, aber vielschichtigen Landes anzunehmen ist eine enorme Aufgabe.

Das Bilden und Betreiben eines Netzwerks von Institutionen und Personen, die audiovisuelle Kulturgüter erhalten, produzieren oder nutzen ist die eine Sache. Gleichzeitig Projekte zur Erhaltung, Erschliessung und Vermittlung audiovisueller Kulturgüter zu initiieren und zu finanzieren, das ist eine ganz andere. Weiter soll die Datenbank Memobase den direkten Zugriff auf verschiedene audiovisuelle Sammlungen ermöglichen und damit die Öffentlichkeit für den Wert audiovisueller Dokumente sensibilisiert werden.

Und als ob dies nicht schon ausreichen würde für ein gut ausgefülltes Leben, verdichten sich diese Aufgaben im Angesicht der rasant vorwärts schreitenden Digitalisierung. Die Restaurierung und Digitalisierung des Schweizer Filmschaffens, die Erhaltung von Fernsehsendungen, Videobeständen und Fotosammlungen führen somit in neue Dimensionen – die Möglichkeiten und finanziellen Mittel jedoch wachsen nicht im selben Masse wie die Aufgaben. Es sind deshalb alle gefordert: Bund, Kantone, Städte und Gemeinden!

Lassen Sie mich aus kantonal-zugerischer Sicht ein Beispiel aus dem Bereich «Digitalisierung» schildern. Es zeigt auf, wie sich die öffentliche Hand an dieser kulturhistorisch relevanten Aufgabe beteiligen kann.

1978, vor vierzig Jahren, feierte hier im Seehof der Dokumentarfilm «Morgarten findet statt» von Erich Langjahr Premiere. Der Film galt damals natürlich als fertig gestellt, das heisst abgedreht, geschnitten und vertont. Ein sattes Stück Schweizer Geschichte, aufgerollt an der jährlich stattfin-denden Morgarten-Schlachtfeier, die hier im Kanton Zug bis auf den heutigen Tag sehr wichtig ist.

Der Film wurde seinerzeit vom Zuger Regierungsrat mit einem Beitrag von 10'000 Franken unterstützt. 2015 sollte anlässlich des 700-Jahr-Feierlichkeiten der Schlacht am Morgarten die Reprise des Films gezeigt werden. Dafür musste der Film eigens restauriert werden. Er wurde in den Siebzigern nämlich noch auf «VNF 16mm Umkehrfilmmaterial» gedreht.

Die in den letzten Jahren erfolgte Digitalisierung hat zur Folge, dass es kaum noch Kinos gibt, welche über die technischen Voraussetzungen verfügen, solche Filmkopien zu spielen. Selbstverständlich gab es dazu auch Handlungsbedarf beim Bildoriginal und beim Ton. Durch die Jahre waren Farbveränderungen aufgetreten, die restauriert werden mussten, und auch im Bereich des Tons war eine digitale Umrüstung angezeigt.

Eine finanzielle Unterstützung des Digitalisierungsprojektes durch den Kanton musste einige Hürden nehmen. Die neue Thematik liess sich nur schwer mit den bestehenden Richtlinien der Kulturförderung oder jenen des Staatsarchives in Einklang bringen. Wertvolle Sensibilisierungsarbeit des Gesuchstellers machte eine kleine und doch wertvolle Unterstützung schliesslich möglich.

Das Gesuch um eine finanzielle Unterstützung für die Digitalisierung des Filmes «EX VOTO», der am Nachmittag auf Ihrem Programm steht, hatte es in der Folge bereits einfacher. Drei Zentralschweizer Kantone unter-stützten das Digitalisierungsprojekt mit vier- und fünfstelligen Beträgen. Selbstverständlich war die Mitunterstützung durch Memoriav ein massge-blicher Faktor für die positive Beurteilung durch die Kantone – das Gütesiegel Memoriav ist für uns in solchen Fragen mit-entscheidend.

Sie sehen, auch auf kantonaler Ebene stellt sich die öffentliche Hand den steigenden Anforderungen. Genauso wie der Bund sind wir bestrebt – zwar mit kleineren Mitteln, aber mit nicht minderer Sorge – den Erhalt des audiovisuellen Kulturerbes zu fördern.

In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre wertvolle Arbeit und für die weitere Sensibilisierung aller mit dieser Thematik befassten Gremien – sowohl auf fachlicher wie auf politischer Ebene.

Ich heisse sie in Zug herzlich willkommen und wünsche Ihnen eine erfolgreiche GV und einen schönen Aufenthalt im schönen Zug.