Mit Kopf, Herz und Hand

Gemeindesaal, Steinhausen

Liebe Gäste aus der wunderbaren Welt der Musik, sehr geehrte Damen und Herren – ganz herzlich willkommen in Steinhausen, ganz herzlich willkommen in meiner Heimatgemeinde!

Hier bin ich aufgewachsen, hier bin ich geblieben und habe nie an einem anderen Ort gelebt. Warum auch?, würden die Steinhauserinnen und Steinhauser sagen. Bevor Sie jetzt miteinander tuscheln und einander sagen, dass man das merken würde, erinnere ich uns alle daran, dass die weitesten Reisen, die man bekanntlich unternehmen kann, im Kopf stattfinden... oder – gerade mit Blick auf die Kunst – auch im Herz stattfinden. Weit gereist im Kopf, wie man so schön sagt.

Jetzt habe ich Kopf und Herz schon genannt, also fehlt nur noch die Hand, bis wir mit «Kopf, Herz und Hand» alles zusammenhaben, was in der Schule herausgebildet werden soll.

«Ich weiss, ich kann, ich will»: so kann die neue Kompetenzorientierung im neuen Lehrplan auch beschrieben werden. Wir sehen: die Kompetenzorientierung ist nichts anderes als das altbekannte «Kopf, Herz und Hand». Und das ist gut so. Solange der Wein gut ist, sind mir neue Schläuche herzlich egal.

Die Bedeutung der Musik und des Musikunterrichts kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ja, es ist meine Hoffnung, dass der Musikunterricht auch auf den Unterricht an den Schulen ausstrahlt. Was erhoffe ich mir davon?

Sehr geehrte Damen und Herren, Schülerinnen und Schüler müssen an schwierige Aufgaben herangeführt werden. Bei den Schülerinnen und Schülern müssen die Freude und das Interesse an schwierigen Aufgaben geweckt werden. Das ist die Aufgabe von Schule.

Die Interessen und das innere Feuer sind nicht einfach da, sie müssen geweckt werden. Und damit sind wir bei einer Gefahr des modernen Unterrichts angelangt oder beim «Phantasma des interessengeleiteten Lernens», wie es Prof. Liessmann in der NZZ genannt hat, ich zitiere: «[Das Phantasma des interessengeleiteten Lernens] … unterschlägt (…), dass die Herausbildung von Interessen selbst das Resultat eines Lernprozesses ist, der nicht zuletzt von den Fähigkeiten und dem Einsatz der Lehrpersonen abhängt, mit denen Kinder und Jugendliche konfrontiert werden». Wer meint, dass aller Unterricht von den Interessen der Kinder und Jugendlichen ausgehen muss, ist auf dem Holzweg.

In der Schule geht es darum, die Schülerinnen und Schüler an Schwieriges heranzuführen und an Sperriges und an Gegenstände, die sie noch nicht kennen und für die sie sich noch nicht interessieren. Wer wüsste das besser als Sie, meine Damen und Herren?

Dazu noch einmal Prof. Liessmann: «Keine Vorgaben zu machen, keine Leistungsanreize zu bieten, sondern auf die irgendwie zustande gekommenen Interessen und intrinsischen Motivationen der Schüler zu hoffen, schreibt auch deren von infantilen Regungen dominierten Bewusstseinszustand fest.»

Das kann unseren Musiklehrerinnen und Musiklehrern nicht passieren und ich bin ausgesprochen froh darum.