Komplementärmedizin

Komplementärmedizin ist heute nur über die Zusatzversicherungen abgedeckt. Gerade für ältere Menschen ist das ein Problem. Deshalb gehört doch auch die Komplementärmedizin in die Grundversicherung?
Wenn die Wirksamkeit der komplementärmedizinischen Methoden wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, werden diese auch über die Grundversicherung abgerechnet. Das ist seit 1999 bei der Akupunktur und gewissen Methoden der Pflanzenheilkunde so. Methoden deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden kann, sollen meiner Meinung nach auch nur diejenigen bezahlen, die daran glauben - also via Zusatzversicherung.

Viele Therapien der Komplementärmedizin sind heute anerkannt. Weshalb wehren Sie sich dennoch gegen die Vorlage?

Der Leistungskatalog in der Grundversicherung ist nicht zu klein sondern zu gross. Dies ist mit ein Grund für die hohen Prämien, und deshalb wehre ich mich gegen eine zusätzliche Ausweitung der Grundversicherung. Es geht bei der Initiative nicht um die Frage, ob man Komplementärmedizin gut findet oder nicht. Es geht um die Frage, wer sie bezahlen soll.

Komplementärmedizin ist billiger als Schulmedizin, sagen die Befürworter. Sie behaupten das Gegenteil. Weshalb?
In der Praxis werden die Methoden der Komplementärmedizin nicht anstelle der Schulmedizin angewendet, sondern zusammen mit der Schulmedizin. Es geht beim Thema Komplementärmedizin nicht um den Ersatz von schulmedizinischen Methoden sondern um deren Ergänzung. Das ist teurer als die Schulmedizin alleine.

Die Vorlage wurde vom Parlament sehr deutlich angenommen. Es gibt kein Gegnerkomitee. Haben Sie überhaupt eine Chance die Abstimmung zu gewinnen?
Die Hürden für die Annahme einer Initiative sind mit dem dafür notwendigen Volks- und Ständemehr sehr hoch.

Was passiert bei einem Ja zur Vorlage? Wird unser Gesundheitswesen noch teurer?
Ja, die Ausweitung des Leistungskatalogs wird die Grundversicherung teuerer machen! Aber die wirklich schlechte Nachricht ist, dass im Gesundheitswesen auch ohne Ausweitung des Leistungskataloges die Kosten explodieren. Das Bundesamt für Gesundheit rechnet für 2010 mit einer Prämienerhöhung von über 10 Prozent. Das ist noch schlimmer als in den Jahren 2002 und 2003, als die Prämien um jeweils über 9 Prozent anstiegen.