Innerschweizer Kulturpreis 2018

Preisübergabefeier im Theater Casino, Zug

In den frühen 1950er Jahren erkannten die Regierungen der Kantone Luzern, Schwyz, Uri, Ob- und Nidwalden und Zug den gemeinsamen Kultur-raum und beschlossen, diesen auch gemeinsam zu fördern. Die Innerschweizer Kulturstiftung machte es sich zur Aufgabe, bedeutende kulturelle Leistungen aus dem Gebiet der Zentralschweiz über das gesamte Spektrum des kulturellen und wissenschaftlichen Schaffens auszuzeichnen. Theologen, Geistes- und Naturwissenschaftler, Maler, Bildhauer, Autoren, Architekten und Fotografen beiderlei Geschlechts, Theater- und Filmschaffende und natürlich Musikschaffende konnten den Preis bisher entgegen nehmen.

Der Innerschweizer Kulturpreis wurde auch mit der Motivation gestiftet, in unserer Region grosse Aufgaben gemeinsam zu tragen. Der Innerschweizer Kulturpreis ging weiteren erfolgreichen interkantonalen Kooperationen in der Zentralschweiz voraus. Gerade der Kulturbereich, der laut Bundesverfassung in der Hoheit der Kantone liegt, wird heute von gemeinsamen Haltungen getragen und gefördert. So unterstützen die sechs Zentralschweizer Kantone gemeinsam Veranstaltungen und Institutionen mit regionaler Ausstrahlung, verständigen sich auf gemeinsame Richtlinien für die Filmförderung oder engagieren sich im Kulturlastenausgleich. Brücken bauen, Kompromisse eingehen – nur so kann ein Lebens- und Gesellschaftsraum nachhaltig wachsen und sich entwickeln.

Doch zurück zur heutigen 64. Verleihung des Innerschweizer Kulturpreises. Der seit 1953 sporadisch und seit 1974 jährlich vergebene Preis wird heute einem Musiker verliehen, der im Gegensatz zur Politik keine Kompromisse eingeht. Als «Godfather des freien Akkordeons», als Virtuose, Zauberer oder «raffinierter Querspieler» wird er zuweilen beschrieben.

Hans Hassler wurde 1945 in Chur in eine traditionelle Volksmusikerfamilie hineingeboren, sein  Vater spielte Kontrabass in einer Ländlerkapelle. Im Alter von sieben Jahren bekam er sein erstes Akkordeon und liess seither keine Gelegenheit aus, dieses wundersame Instrument immer wieder aufs Äusserste zu beanspruchen, zu prüfen, auszuloten und zu erforschen.

Nicht, dass das Akkordeon Hans Hasslers einzige musikalische Errungenschaft wäre… Auch die Klarinette machte er seinem Spiel Untertan. Später folgte der Abschluss als Tonmeister, und das Klavierspiel «hämmerte» er sich im Zuge der Tonmeisterausbildung für deren Abschlussprüfung ein. Alsdann studierte Hans Hassler vier Semester Musikwissenschaften und Anglistik und begann ein Klarinettenstudium. Sein Klarinettenlehrer war von seinem Akkordeonspiel so beeindruckt, dass er ihm riet, das Instrument auf keinen Fall aufzugeben. Er gab es nicht auf, zu unserem Glück und zum Glück des Instruments.

Man darf sagen, dass Hans Hassler dem Akkordeon eine neue Dimension geschenkt hat. Lauscht man seinem Spiel, wird Hans Hasslers ausgeprägter Spieltrieb offenkundig. Er zerpflückt Musikstile und Taktgebungen, zerlegt Melodien in die heftigsten Dissonanzen und setzt sie mal behutsam raffiniert, mal archaisch unverblümt wieder zu einem neuen Ganzen zusammen. Er entlockt dem Instrument Klänge, von denen kein Handorgelbauer zu träumen wagt. Seine Musik überwindet verwegen bekannte Grenzen und definiert das Akkordeon neu.

So freue ich mich mit Ihnen, diesem aussergewöhnlichen Musiker im späteren Verlauf dieser Feier den Innerschweizer Kulturpreis als Anerkennung für sein musikalisches Schaffen überreichen zu dürfen. Darauf freue mich sehr!