Geschichte ist immer auch ein Kind der Gegenwart

Burgbachsaal, Zug

Sehr geehrte Damen und Herren

Sie haben mich schon einige Male im Rahmen dieser Vernissage gesehen – und ich Sie natürlich auch, aber dieses Jahr ist alles anders: Ich darf zum ersten Mal als Landammann vor Ihnen stehen. Das Amt wirkt sich vor allem gegen innen aus: Als Landammann denkt man natürlich noch etwas magistraler als sonst schon. Aus diesem Grund stelle ich gerne die besten Wünsche und Grüsse sowie den Dank der ganzen Zuger Regierung an den Anfang meiner Ausführungen.

Der Regierungsrat ist sich sehr wohl bewusst, was er am TUGIUM hat und was er am Chefredaktor und seiner Kommission hat. Ganz herzlichen Dank für diese Passion für die Zuger Geschichte.

Geschichte kann manchmal ganz schön sperrig sein. Für den Laien vielleicht dort, wo es um ganz spezielle Details geht. Und Geschichte kann einen manchmal ganz schön aufregen. Mich zum Beispiel dort, wo es um Gesellschaftsgeschichte geht.

Ich meine: gut so! Pädagogik, so hat das Albert Einstein 1936 bei einem Referat über die Schule gesagt, ist eine Angelegenheit des «lebendigen Daseins und Handelns», eine einmalige Erkenntnis der Wahrheit gibt es nicht. Auch Geschichte ist oftmals keine physikalische Beschäftigung und sie ist das ganz besonders dort nicht, wo sie sich mit den Angelegenheiten des lebendigen Daseins und Handelns der Gesellschaft von damals befasst, wo sie dieses Dasein und Handeln nicht nur beschreibt, sondern auch einordnet. Diese Art von Geschichtsschreibung ist, und damit sage ich Ihnen natürlich nichts Neues, immer auch ein Produkt des Blickwinkels der Forscherinnen und Forscher, ein Kind der Gegenwart.

Schön ist, – das hilft mir dann manchmal, wenn ich mich fest aufrege –, dass der Blickwinkel von heute dann wiederum der Untersuchungsgegenstand von morgen sein wird, auch hier unterscheidet sich die Geschichte kaum von der Pädagogik – auch dort rege ich mich manchmal auf.

Auf die Wissenschaft ist Verlass: Geschichte wird auch in Zukunft ein Kind der Gegenwart sein.

Aus diesem Grund halten wir mit dem TUGIUM nicht nur die Zuger Geschichte, sondern immer auch ein Zeitdokument in der Hand – es ist nicht zuletzt dieses Spannungsfeld, das mich dazu bewegt, das TUGIUM immer wieder einmal in die Hand zu nehmen und mich darin zu vertiefen.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich solle Sie «gluschtig» machen für das neue TUGIUM. So lautete kurz und bündig der Auftrag des Chefredaktors. Ich hoffe, dass mir das mit meinem kurzen Grusswort gelungen ist. Falls ich etwas umständlich war, hier noch einmal die Kurzversion: Gute Geschichtsschreibung ist immer spannend, egal wie sperrig oder aufregend sie daherkommt. Und das TUGIUM ist auch dieses Jahr sehr gute Geschichtsschreibung, wenn ich mir als Laie dieses Urteil erlauben darf.

Ich bedanke mich bei allen, die daran mitgewirkt haben.