Flüchtlingskinder konnten in die Regelklassen integriert werden

Seit 2016 wird eine kantonale Integrationsklasse in der ehemaligen Ludothek in Zug geführt. Dem Vorhaben zugrunde lag eine Motion zur Schaffung von gemeindeübergreifenden Integrationsklassen, welche von den Kantonsräten für teilerheblich erklärt wurde und anschliessend in ein Postulat umgewandelt wurde. Der Kantonsratsbeschluss dazu folgte im Herbst 2016. In diesem Beschluss wurde das Finanzielle geregelt. Für den Betrieb der Integrationsklasse erhält die Stadt Zug als Standortgemeinde 240'000 Franken pro Jahr. Der Kanton muss aber nicht zusätzlich Geld aufwenden für diese Sonderklasse, denn er bezahlt den Gemeinden sowieso pro Primarschüler eine Normpauschale von 5332 Franken. Am Rest des Budgets beteiligen sich die Zuger Gemeinden. So bleibt die Stadt Zug als Trägergemeinde der Integrationsklasse nicht auf den Personalkosten oder auf den Kosten für Lehrmittel sitzen. Bildungsdirektor Stephan Schleiss spricht über die Zahl der Primarschüler, die Herausforderungen und ob die Klasse weitergeführt wird.

Stephan Schleiss, die Flüchtlingskinder sollten nach einem Jahr in der Integrationsklasse fit sein für den Regelunterricht in der Wohngemeinde. Konnte dieses Ziel erreicht werden?
Ja, dieses Ziel wurde erreicht. Seit Start der Integrationsklasse sind per Ende Schuljahr 2017/18 total 13 Primarschülerinnen und -schüler in die Regelschulen der Gemeinden integriert, fünf davon werden per Schuljahresbeginn 2018/19 den Eintritt vornehmen.

Wie unterschiedlich ist das Niveau der Kinder?
Je nach Herkunftsland und sozialer Schicht sind die Erfahrungen der Flüchtlingskinder mit der Schule sehr unterschiedlich. Sie bringen mehr oder weniger Schulerfahrung mit. Zudem erschwert die Dauer der Flucht den Einstieg in den Schulbetrieb erheblich. In der gleichen Klasse werden Flüchtlingskinder von der 1. bis zur 6. Klasse unterrichtet, was für die Lehrpersonen eine grosse Herausforderung darstellt, da jedes Kind auf einem anderen Niveau abgeholt werden muss. Nicht nur der Schulstoff, sondern auch das Einleben in einer neuen Gesellschaft un in neue Strukturen stellt eine Herausforderung dar.

Wie viele Kinder sind in den letzten zwei Jahren in der Integrationsklasse unterrichtet worden?
Die Klasse hat im Jahr 2016 mit acht Schülern begonnen. In den darauffolgenden Schuljahren waren es zwischen 14 und 17. Ab dem Schuljahr 2018/19 werden Stand heute zwölf Flüchtlingskinder in der Integrationsklasse geschult. Da in den Sommermonaten der Flüchtlingsstrom eher zunehmen kann, kann sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler kurzfristig ändern.

Aus welchen Zuger Gemeinden und aus welchen Ländern stammen die Kinder?
Die Schülerinnen und Schüler stammen aus dem Kosovo, dem Irak, Eritrea und Syrien. Die Flüchtlingskinder kamen mehrheitlich aus den Gemeinden Steinhausen, Zug und Unterägeri.

Wie wird der Unterricht der Kinder gestaltet?
Ziel der Integrationsklasse ist es, den Anschluss an die Regelklasse zu ermöglichen, Lern- und Arbeitstechniken zu vermitteln und die soziale Integration der Flüchtlingskinder zu unterstützen. Die Integrationsklasse wurde als Tagesschule konzipiert. Der Unterricht umfasst zwei Bereiche. Zum einen geht es um «Leben in der neuen Umgebung». Die Kinder sollen sich im Klasenzimmer, im Schulhaus, auf dem Schulweg und mit den vielen neuen Regeln, die gelten, zurechtfinden. Zudem lernen sie verschiedene, kulturspezifische Eigenheiten kennen. Zum andern sind es schulfachbezogene Kompetenzen. Die Kinder sollen ein Sprchniveau A1 bis A2 in Deutsch erreichen und die Niveaus der altersentsprechenden Regelklasse in Mathematik. Nach Möglichkeit können sie auch Bekanntschaft mit Fremdsprachen wie Französisch oder Englisch machen. Grundsätzlich hat sich das Konzept mit den zwei fokussierten Bereichen bewährt.

Wird dabei Rücksicht auf das Lerntempo und Verhalten der Kinder genommen?
Ja. Auch auf die spezifische Situation des einzelnen Kindes wie den Migrationsprozess, die Traumatisierung oder die Lücken im regulären Schulbesuch. Ziel ist es, jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten und Voraussetzungen flexibel zu fördern und beim Erlernen der detuschen Sprache gezielt zu unterstützen und pädagogisch zu begleiten, um sich im neuen Lebensumfeld zurechtzufinden.

Das Projekt ist also erfolgreich und erfüllt vollends seinen Zweck. Wird die Integrationsklasse also bestehen bleiben?
Auf diese Frage kann zurzeit keine Antwort gegeben werden, da der Kantonsrat diese Frage in den Wintermonaten beraten muss. Aktuell ist der seitens des Kantonsrates geforderte Zwischenbericht nach zwei Betriebsjahren in Erarbeitung. Basierend auf diesem Zwischenbericht ist der Kantonsrat gefordert, seinen Entscheid zu fällen.