Fernunterricht bis zu den Sommerferien

Auch die Räumlichkeiten des Gymnasiums Menzingen bleiben noch länger geschlossen.

Im Kanton Zug bleiben Schüler des Mittel- und Obergymnasiums weiterhin zu Hause. Bildungsdirektor Stephan Schleiss erklärt wieso.

Die Schüler des Obergymis lernen wegen der Coronakrise weiterhin zu Hause: Der Kanton Zug hat entschieden, dass der Fernunterricht für die Mittel- und Obergymnasien bis zu den Sommerferien verlängert wird. Ab dem 8.Juni wäre die Öffnung der Mittelschulen gemäss Bundesrat wieder möglich. Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss sagt jedoch, dass Aufwand und Ertrag für die Konzeption und Einübung des Halbklassenunterrichts auf diesen Schulstufen und die verbleibende Zeit bis zu den Sommerferien nicht stimmen. Denn: «Wir gehen mit Blick auf die gegenwärtigen Lockerungen davon aus, dass die Lage nach den Sommerferien wieder normalen Unterricht auf der Stufe Sek II zulässt.»
Ein Hauptgrund für den frühen Entscheid liegt bei den Auflagen für die Öffnung. «Die vom Bund, beziehungsweise vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation kommunizierten Grundprinzipien sind so restriktiv, dass die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts für die Klassen des Obergymis nur sehr eingeschränkt möglich ist. Dies insbesondere unter Berücksichtigung der pädagogischen, sozialen, fachlichen und schulorganisatorischen Aspekte», erklärt Schleiss. Zu diesen Grundprinzipien gehören die Zwei-Meter-Abstandsregel für Jugendliche, Lehrpersonen und Mitarbeitende bei allen Kontakten sowie ein Richtmass von vier Quadratmetern pro Person in geschlossenen Räumen. Dafür ist in den Zugern Schulzimmern schlicht zu wenig Platz. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) gehören die Schülerinnen und Schüler des Mittel- und Obergymnasiums in die Gruppe der Personen, bei denen das Ansteckungsrisiko mit zunehmendem Alter steigt. Die Schulen sind verpflichtet, sämtliche Bestimmungen zum Schutz der Schüler sowie Lehrpersonen und Mitarbeitenden einzuhalten. «Wir werden dies mit grösster Sorgfalt umsetzen», sagt Schleiss und ergänzt kritischer: «Obwohl die vom BAG erlassenen Rahmenvorgaben nicht für alle gleich verständlich sind – insbesondere hinsichtlich der vielen Lockerungen in anderen Lebensbereichen – sind sie für Schulen verbindlich.»

Keine einfache Entscheidung
In Zug konzentriere sich der Präsenzunterricht auf das Untergymnasium, wo die Vorgaben des BAG besagen, dass die Schüler in Ganzklassen zu unterrichten sind. Mit dem Entscheid, die höheren Stufen im Modus des eingeübten Fernunterrichts zu belassen, entfalle bis zu den Sommerferien auch ein Grossteil der Schülermobilität, so Schleiss. Er spricht dabei von einem Mitnahmegewinn. Leicht ist den Verantwortlichen die Entscheidung nicht gefallen. Was allen – Lehrpersonen und Lernenden – in Zeiten des Fernunterrichts wahrscheinlich am meisten fehle, sei der persönliche Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen und den Schülerinnen und Schülern, sagt der Bildungsdirektor. «Wir wissen alle, wie wichtig der soziale Austausch in der Peer-Gruppe für Kinder und Jugendliche ist, und dass dieser naturgemäss im Präsenzunterricht viel besser als im Fernunterricht stattfinden kann.» Dieser Aspekt sei auch beim Entscheid berücksichtigt worden.

Das von der Geschäftsleitung des Amtes für Mittelschulen geprüfte Szenario «Unterricht in Halbklassen» komme zur Zeit aber nicht in Frage, sagt Stephan Schleiss. So würde ein paralleles Unterrichten im Präsenz- und im Fernunterricht, etwa mit Halbklassen, zu einer weiteren Belastung der Lehrpersonen führen. Zudem könne der geltende Stundenplan, der auf Grund des Fachlehrpersonen-Systems, das wechselnde Klassen, Zimmer und Lehrpersonen beinhaltet, zum aktuellen Zeitpunkt nicht verändert werden. «Eine Staffelung der Anfangs- und Endzeiten ist bis zum Schuljahresende nicht möglich», argumentiert der Zuger Regierungsrat. «Sollte nach den Sommerferien keine Rückkehr zu einem weitgehenden normalen Unterricht möglich sein, werden äusserst aufwendige Anpassung an den Lehrplänen, Stundenplänen, Belegungsplänen, et cetera nötig, um dann gegebenenfalls Halbklassenunterricht zu ermöglichen.»

Präsenzhalbtage für den Austausch
Den Mittelschulen sei es wichtig, dass sie gut vorbereitet auf die Situation reagieren können und den Schülern gerecht werden. Dazu gehöre auch eine zeitnahe Kommunikation, so Schleiss. «Die Geschäftsleitung des Amtes für Mittelschulen ist seit Anfang der Krise bemüht, die Lage rechtzeitig zu antizipieren, analysieren und möglichst gute Lösungen für die Schüler und Lehrpersonen zu finden», erklärt der Bildungsdirektor. Sollte der Bundesrat allerdings Ende Mai Lockerungen der bereits publizierten Vorgaben für die Schulen der nachobligatorischen Schulzeit beschliessen, wäre das wieder eine neue Lage hinsichtlich der Schutzkonzepte.

Ganz alleine gelassen werden die Mittelschüler nicht. Bis zum Ende des Schuljahres hat jede Klasse auf der Gymi-Stufe zwei Präsenzhalbtage zur Verfügung. «Bei der inhaltlichen Gestaltung dieser Tage geht es nicht primär um die fachliche Vermittlung. Das Ziel ist viel mehr, den Schülerinnen und Schülern in dieser für sie schwierigen Situation einen sozialen Austausch innerhalb der Klasse zu ermöglichen», betont Schleiss.