Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen

Casino, Zug

Es ist mir eine grosse Freude und grosse Ehre gleichermassen, dass ich heute bei Ihnen sein darf. Ich bin ausserordentlich gerne bei Ihnen und in Ihrem Kreis. Ganz herzlichen Dank für die Einladung. Ich überbringe Ihnen allen die besten Wünsche und Grüsse sowie ein riesiges Dankeschön der ganzen Zuger Regierung.

Rund 15'000 Stunden unbesoldete Freiwilligenarbeit. Das sind knapp 1800 Arbeitstage. Das entspricht in etwa 8 Vollzeitstellen. Die Lohnkosten für 8 Vollzeitstellen belaufen sich inklusive Nebenkosten auf rund 1,2 Millionen Franken.

Geschätzte Damen und Herren, diese Aufzählung und Zahlenspiele rund um Ihren Jahresbericht 2018 erinnern mich ein wenig an eine Werbung für eine bekannte Kreditkarte. In dieser Werbung hören diese Aufzählungen immer gleich auf, nämlich mit dem Satz: «Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen.» Und natürlich würde die Rechnung, wenn man in Ihrem Fall die Rand- und Nachtzeiten auch einrechnen würde, noch einmal ganz anders lauten. Aber es bleibt dabei: Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen. Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug gehört dazu. Ganz logisch: Würden wir sie kaufen, dann würde damit auch das «Freiwillige» aus der FFZ verschwinden. Und wenn wir sie kaufen würden, dann würden meine Zahlenspiele erst recht nicht mehr stimmen, weil der 24-Stunden-Betrieb in drei Schichten dann auch noch eingerechnet werden müsste.

Ich weiss, dass zurzeit eine Auslegeordnung zur Zukunft der FFZ im Gange ist. Und ich drücke allen Beteiligten ganz fest die Daumen, dass es eine gute Lösung geben wird, allen Herausforderungen unserer Zeit zum Trotz. Ich weiss, dass Sie das sehr vorsichtig angehen und alle Varianten prüfen. Ich bin sehr froh darum. Ganz sicher geht es um mehr als um Franken und Rappen. Wenn ich Werbung für die Milizarmee machen darf – bei den Maturafeiern mache ich das ganz gerne –, dann denke ich immer auch an Gottfried Keller. Im Fähnlein der sieben Aufrechten schreibt er:

«Keine Regierung und keine Batallione
mögen dort Recht und Freiheit schützen,
wo der Bürger nicht selber imstande ist,
vor die Haustüre zu treten, um zu sehen, was es gibt.»

Diese Botschaft deutet natürlich weit über die Milizarmee hinaus auf alle Milizorganisationen, auf alle Vereine und auf alle, die irgendwo Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen und die berühmte Extra-Meile gehen. In der heutigen Zeit geht es vielleicht nicht mehr darum, dass der Bürger imstande ist diese Verantwortung zu übernehmen, sondern die Frage ist mehr und mehr, ob der Bürger überhaupt noch imstande sein will, sich freiwillig für die Gemeinschaft zu engagieren. Vielleicht würde es Gottfried Keller heute eben so schreiben:

«Keine Regierung und kein Amt
können dort Würde und Wohlstand schützen,
wo der Bürger nicht bereit dazu ist,
vor die Haustüre zu treten und seinem Nachbarn zu helfen.»

Gerade so nämlich, wie es in Ihrem wunderbaren Wahlspruch zum Ausdruck kommt:

«Gott zur Ehr
Dem nächsten zur Wehr
Dem Feuer zum Trutz
Der Stadt zum Schutz»

Ich bedanke mich für Ihr riesiges Engagement für die Stadt, für den Kanton und damit für uns alle. Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen, man kann nur tiefe Dankbarkeit empfinden, dass es sie trotzdem gibt! Wie zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug.