Die Nachfrage nach Stipendien sinkt auch im Kanton Zug

 

Schweizweit weist der Kanton Zug die tiefsten Stipendienausgaben aus. Nicht, weil er da etwa sparen will. Vielmehr machen ihn soziodemografische Faktoren zu einer Art Sonderfall.

 

Luzern gehört zu den Kantonen, die 2017 im Verhältnis zur Einwohnerzahl am wenigsten Geld für Stipendien ausgegeben haben (Ausgabe vom 5. Juni). Luzern rangiert in der entsprechenden Erhebung des Bundesamtes für Statistik auf dem drittletzten Platz. Nur Schaffhausen und Zug haben noch weniger Stipendiengelder ausgezahlt.

Knausert der Kanton Zug etwa mit Ausbildungsbeiträgen? Kaum. Denn dass der Kanton Zug das «Schlusslicht» auf der Schweizer Stipendienstatistik ist, dafür gibt es plausible Gründe, wie eine Nachfrage bei der Zuger Bildungsdirektion zeigt. Einerseits sei die Zuger Bevölkerungsstruktur und deren überdurchschnittlich hohe Einkommens- und Vermögensverhältnisse zu berücksichtigen, erklärt der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss. «Bei diesen soziodemografischen Faktoren ist Zug eine Besonderheit. Wir haben den tiefsten Anteil an Stipendien-Bezüger relativ zur Wohnbevölkerung.» So sähen denn entsprechend auch die Zahlen anders aus, wenn man die Stipendienbeiträge pro Bezüger anschaut.

In der Tat: Mit einem durchschnittlichen Beitrag von über 8000 Franken pro Bezüger auf Tertiärstufe (Hochschulsektor) liegt der Kanton Zug im oberen Viertel der Landesstatistik. Auf Sekundarstufe mit knapp etwas über 4000 Franken pro Bezüger rangiert Zug hingegen leicht unter dem Schweizerischen Durchschnitt. Somit steht der Kanton Zug hinsichtlich des durchschnittlichen Stipendienbetrages pro Bezüger und Jahr über alle Bildungsstufen hinweg im Mittelfeld.

Budgetierter Betrag nicht ausgeschöpft
Per Budget 2019 sieht der Kanton Zug 2,1 Millionen Franken Stipendiengelder vor. Zuvor sind jeweils 2,2 Millionen budgetiert worden. Diese Reduktion ist laut Bildungsdirektion einzig deshalb vorgenommen worden, weil der budgetierte Betrag seit 2015 nie ausgeschöpft worden ist. Im Jahr 2015 (564 Gesuche) wurden Stipendiengelder in Höhe von 2093450 Franken ausgezahlt. 2016 (471 Gesuche) waren es 2014150 Franken. Deutlich weniger waren es 2017 (510 Gesuche) mit nur 1793400 Franken. 2018 (496 Gesuche) waren es wieder 2045300 Franken. Also stets unter Budget. «Dieser allgemeine Rückgang in den letzten Jahren ist auf eine verminderte Nachfrage zurückzuführen», erklärt Stephan Schleiss. Dabei habe sich die Berechnungsgrundlage weder geändert, noch sei im Zuge der Sparbemühungen in den letzten Jahren je bei den Ausbildungsbeiträgen gekürzt worden.

Zahlungen werden nicht eingestellt
Und selbst wenn der budgetierte Betrag «ausgeschöpft» würde, so hätte das nicht zur Folge, dass Stipendienzahlungen eingestellt würden, führt Stephan Schleiss weiter aus. «Solange die Verordnung in einer solchen Situation nicht geändert wird, bleiben die Stipendien geschuldet, wenn die Parameter dazu berechtigen.»