Angriff auf Frühfranzösisch

Die Regierung muss einen Bericht zur Abschaffung des Frühfranzösisch ausarbeiten. Gestern erteilte das Parlament den entsprechenden Auftrag.

Der Kantonsrat überwies die Motion «Französisch erst auf der Sekundarstufe I» der Parlamentarier Jürg Messmer, Philip C. Brunner (beide SVP, Zug) und Andreas Hostettler (FDP, Baar) mit 34 zu 40 Stimmen. Zuvor wies Motionär Messmer auf «das von vielen Schülern und Eltern ungeliebte Französisch» hin. Vroni Straub (ALG, Zug) und Anna Bieri (CVP, Hünenberg) verlangten die Nichtüberweisung des Vorstosses.

Ist mit der erfolgten Überweisung das Frühfranzösisch im Kanton Zug Geschichte? Nein, wie ein Blick in die Geschäftsordnung des Kantonsrats und die Nachfrage bei Bildungsdirektor Stephan Schleiss zeigen. Für die Überweisung einer Motion genügt nämlich ein Drittel der Stimmenden. Dank dieses Quorums wurde die Motion gestern ja auch überwiesen (34:40).

Was immer im Bericht und Antrag, den die Regierung nun innert Jahresfrist vorlegen muss, auch drinsteht: Eine Erheblicherklärung des Anliegens bräuchte dannzumal ein einfaches Mehr. Wie die gestrige Abstimmung zeigt, wäre dies eine erste grosse Hürde, die die Gegner des Frühfranzösisch zu überspringen hätten.

Frühere Bearbeitung
Die ebenfalls gestern überwiesene Interpellation zum Französischunterricht muss die Regierung innert sechs Monaten beantworten. «Da es bei Motion und Interpellation um genau dieselben Fragen geht, werden wir wohl beide Vorlagen innert eines halben Jahrs beantworten», sagte Bildungsdirektor Schleiss gestern. Materiell könne er natürlich nichts sagen: «Aber der Regierungsrat hat in der Vergangenheit mehrmals eine klare Meinung vertreten.»

Was Regierungsrat Schleiss meint, ist das bisherige Bekenntnis der Regierung zum Frühfranzösisch. Gut möglich also, dass bereits der Antrag des Regierungsrats nicht im Sinne der Motionäre in den Rat kommt. Interessant ist an dieser Stelle, dass das Anliegen zur Abschaffung des Frühfranzösisch von zwei SVP-Vertretern und einem FDP-Kantonsrat stammt. Bildungsdirektor Stephan Schleiss politisiert bekanntermassen für die SVP.